sozpaed.eu – zur Startseite

Arbeitsfeld Behindertenhilfe – Wohnen, Tagesstruktur und Assistenz

Die Behindertenhilfe begleitet Menschen mit Behinderungen beim Wohnen, bei Arbeit und Tagesstruktur und in der Freizeit. Zuständig sind vor allem die Länder mit eigenen Behindertenhilfe- oder Chancengleichheitsgesetzen. Eine typische Qualifikation ist die Fach- oder Diplom-Sozialbetreuung mit 1.200 bzw. 1.800 Unterrichtseinheiten Theorie (Art. 15a-Vereinbarung).

Stand Geprüft von sozpaed.net 7 Themen · 4 Min.

Ihre Fragen – tippen Sie auf eine Karte

Was umfasst die Behindertenhilfe?Die Behindertenhilfe unterstützt Menschen mit Behinderungen dabei, so selbstbestimmt …

Die Behindertenhilfe unterstützt Menschen mit Behinderungen dabei, so selbstbestimmt wie möglich zu wohnen, zu arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das Spektrum reicht von der Frühförderung für Kleinkinder über Tagesstrukturen bis zum betreuten Wohnen und zur Persönlichen Assistenz im eigenen Haushalt. Fachkräfte begleiten Menschen mit sehr unterschiedlichen Beeinträchtigungen. Neben pädagogischer Arbeit gehört je nach Stelle auch Unterstützung im Alltag und bei der Basisversorgung dazu.

Wer ist für die Behindertenhilfe zuständig?In Österreich regeln vor allem die Länder die Behindertenhilfe.

In Österreich regeln vor allem die Länder die Behindertenhilfe. Das Sozialministerium hält fest, dass viele für Menschen mit Behinderungen wesentliche Bereiche in die Kompetenz der Länder fallen, darunter Wohnen und Tagesstruktur (Sozialministerium: Behindertenpolitik und Behindertenrecht (externer Link)). Auf Bundesebene ist das Sozialministerium koordinierend zuständig.

Jedes Land hat daher ein eigenes Gesetz, oft unter dem Namen Chancengleichheitsgesetz. Zwei Beispiele:

Die Begriffe unterscheiden sich von Land zu Land. Was in Wien „Tagesstruktur“ heißt, läuft in Oberösterreich unter „fähigkeitsorientierter Aktivität“. Landesspezifische Details finden Sie auf den Seiten zu den Bundesländern, etwa Oberösterreich.

Welche Einrichtungen gibt es?Die Leistungen erbringen Einrichtungen unterschiedlicher Träger, deren Angebote nach …

Die Leistungen erbringen Einrichtungen unterschiedlicher Träger, deren Angebote nach dem jeweiligen Landesgesetz gefördert werden. Typische Arbeitsorte sind:

  • Vollbetreutes Wohnen: Wohnen in Einrichtungen mit Verpflegung und Betreuung.
  • Teilbetreutes Wohnen: Betreuung in Privatwohnungen, Einzelwohnungen oder Wohngemeinschaften.
  • Tagesstruktur: Angebote für Menschen, die aktuell oder dauerhaft nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden können.
  • Frühförderung: Förderung von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen oder Behinderungen bis zum Schuleintritt, samt Begleitung der Familien.
  • Berufsqualifizierung und Arbeitsintegration: Begleitung auf dem Weg in Ausbildung oder Beschäftigung.
  • Persönliche Assistenz: Unterstützung, damit Menschen mit Behinderung in einem Privathaushalt selbstbestimmt leben können.

So beschreibt es das Chancengleichheitsgesetz Wien (externer Link) in den §§ 7 bis 14. In Wien wird vollbetreutes Wohnen grundsätzlich nur gefördert, wenn die Person zugleich eine Tagesstruktur oder eine Leistung zur Berufs- oder Arbeitsintegration nutzt (§ 12 Abs. 2). Tagesstruktur wird dort in der Regel ab dem Ende der Schulpflicht bis zum 65. Lebensjahr gefördert (§ 9).

Welche Ausbildung wird verlangt?Für die Behindertenhilfe gibt es in den Sozialbetreuungsberufen zwei eigene Schwerpunkte.

Für die Behindertenhilfe gibt es in den Sozialbetreuungsberufen zwei eigene Schwerpunkte. Bund und Länder haben in einer Vereinbarung nach Art. 15a B-VG (externer Link) gemeinsame Grundsätze für diese Berufe festgelegt. Sie unterscheidet zwei Ausbildungsstufen mit den Schwerpunkten Behindertenarbeit und Behindertenbegleitung:

Ausbildungsumfang der Sozialbetreuungsberufe nach Art. 15a-Vereinbarung
StufeTheoriePraxis
Fach-Sozialbetreuer:in1.200 Unterrichtseinheiten1.200 Stunden
Diplom-Sozialbetreuer:in1.800 Unterrichtseinheiten1.800 Stunden

Im Schwerpunkt Behindertenarbeit ist die Pflegeassistenz-Ausbildung fester Teil der Ausbildung. Im Schwerpunkt Behindertenbegleitung gibt es stattdessen ein Modul zur Unterstützung bei der Basisversorgung. Nach der Ausbildung müssen Fach- und Diplom-Sozialbetreuer:innen innerhalb von zwei Jahren mindestens 32 Stunden Fortbildung absolvieren (Vereinbarung über Sozialbetreuungsberufe (externer Link)).

Mehr zu Aufgaben und Aufstieg finden Sie auf den Berufsseiten zur Fach-Sozialbetreuung Behindertenarbeit und zur Diplom-Sozialbetreuung Behindertenbegleitung. Die Ausbildung selbst beschreibt die Seite Schule für Sozialbetreuungsberufe. Der SWÖ-Kollektivvertrag nennt für Behindertenfachkräfte neben diesen Abschlüssen weitere gleichwertige Ausbildungen, etwa Sozialpädagog:innen, Heilpädagog:innen, Psycholog:innen und Sozialarbeiter:innen (§ 28, Fußnote 6, SWÖ-KV 2026 (externer Link)).

Wie sieht der Arbeitsalltag aus?Der Alltag richtet sich nach dem Setting.

Der Alltag richtet sich nach dem Setting. In einer Wohneinrichtung unterstützen Sie beim Aufstehen, bei Mahlzeiten, Hygiene, Freizeit und Behördenwegen. In einer Tagesstruktur leiten Sie Gruppen an, gestalten Arbeitsangebote und fördern Fähigkeiten. In mobilen Diensten fahren Sie zu den Menschen nach Hause.

Wohneinrichtungen sind oft rund um die Uhr besetzt. Der SWÖ-Kollektivvertrag erlaubt dort, die Arbeitszeit für die Betreuung auf alle sieben Wochentage zu verteilen (§ 14 Abs. 3, SWÖ-KV 2026 (externer Link)). Das gilt, wenn Ihr Dienstgeber diesen Kollektivvertrag anwendet. Tagesstrukturen sind dagegen auf den Tag ausgerichtet. Die Einstufung erklärt die Seite zum Kollektivvertrag der Sozialwirtschaft.

Welche Belastungen gibt es?Die Arbeit ist körperlich und emotional fordernd.

Die Arbeit ist körperlich und emotional fordernd. Heben und Lagern, herausforderndes Verhalten und enge Beziehungen über Jahre gehören dazu. Nach § 35 SWÖ-KV haben Beschäftigte in sozialen, pädagogischen und therapeutischen Bereichen Anspruch auf Supervision (SWÖ-KV 2026 (externer Link)). Auch Fallbesprechungen im Team helfen, schwierige Situationen gemeinsam einzuordnen.

Wie gelingt der Einstieg?Ob eine Ausbildung auch neben dem Beruf möglich ist, zeigt die Seite berufsbegleitende …

Ob eine Ausbildung auch neben dem Beruf möglich ist, zeigt die Seite berufsbegleitende Ausbildung. Wer aus einem anderen Beruf umsteigen will, findet Hinweise auf der Seite zum Quereinstieg in den Sozialbereich. Aktuelle Stellen in der Behindertenhilfe (externer Link) sind auf sozpaed.net gesammelt.

Häufige Fragen 3 kurze Antworten
Muss ich in der Behindertenhilfe auch pflegerische Tätigkeiten übernehmen?

Das hängt vom Schwerpunkt ab. Im Schwerpunkt Behindertenarbeit ist die Pflegeassistenz-Ausbildung Teil der Ausbildung. Im Schwerpunkt Behindertenbegleitung gibt es stattdessen ein Modul zur Unterstützung bei der Basisversorgung.

Gibt es in der Behindertenhilfe Nachtdienste?

In Wohneinrichtungen mit Betreuung rund um die Uhr ja. Tagesstrukturen und Werkstätten sind dagegen auf den Tag ausgerichtet; fragen Sie bei der Bewerbung nach den konkreten Dienstzeiten.

Gilt eine Sozialbetreuungsausbildung in allen Bundesländern?

Bund und Länder haben sich 2005 auf gemeinsame Grundsätze für Berufsbild und Ausbildung geeinigt. Die Ausbildungen sind daher vergleichbar aufgebaut, geregelt werden sie aber jeweils durch ein Landesgesetz.

Quellen 6 Belege, abgerufen bis 30. September 2026

Arbeitsfeld gefunden? Dann zur Stelle.

Aktuelle Angebote von Trägern aus ganz Österreich auf sozpaed.net, der Jobbörse für den Sozialbereich.

Nach oben