Arbeitsfeld Wohnungslosenhilfe – Notversorgung, Wohnen und Beratung
Die Wohnungslosenhilfe unterstützt Menschen ohne eigene Wohnung – von der Nacht im Notquartier bis zur eigenen Wohnung. 2024 waren in Österreich 21.073 Personen als obdach- oder wohnungslos registriert, 54,6 % davon in Wien (Statistik Austria). Beratung und Straßensozialarbeit leisten unter anderem Sozialarbeiter:innen.
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Was umfasst die Wohnungslosenhilfe?
Die Wohnungslosenhilfe unterstützt Menschen, die ihre Wohnung verloren haben oder kurz davor stehen, und begleitet sie zurück in ein gesichertes Wohnverhältnis. Sie verbindet schnelle Notversorgung mit längerfristiger Beratung und Betreuung.
Das Feld ist größer, als es auf der Straße sichtbar wird. 2024 waren in Österreich 21.073 Personen als obdach- oder wohnungslos registriert, 2,8 % mehr als im Jahr davor (Statistik Austria, Wohnen 2025 (externer Link)). Gezählt werden Menschen mit einer Hauptwohnsitzbestätigung für Obdachlose (10.726 Personen) und Menschen, die in einer Einrichtung für Obdach- und Wohnungslose gemeldet waren (11.707 Personen). Doppelzählungen sind in der Gesamtzahl bereinigt. 54,6 % der Registrierten lebten in Wien. 70,4 % waren zwischen 25 und 64 Jahre alt, rund 69 % waren Männer.
Das Sozialministerium weist darauf hin, dass diese Statistik nur einen Teil zeigt. Wer ohne Mietvertrag bei Freund:innen oder Bekannten unterkommt, scheint darin nicht auf. Expert:innen gehen daher von einer hohen Dunkelziffer verdeckter Wohnungslosigkeit aus (Sozialministerium: Wohnungssicherung (externer Link)).
Wer ist für die Wohnungslosenhilfe zuständig?
Unterstützung bei Wohnungsnot leisten vor allem Bundesländer, Städte und Gemeinden; der Bund ergänzt sie mit dem Programm WOHNSCHIRM des Sozialministeriums. WOHNSCHIRM ist subsidiär. Das heißt: Es hilft dann, wenn eigene Mittel und die Leistungen der Länder, Städte und Gemeinden nicht ausreichen (Sozialministerium: Wohnungssicherung (externer Link)).
WOHNSCHIRM MIETE hilft seit März 2022 Mieter:innen, die ihre Miete nicht mehr zahlen können. Nach einer kostenlosen Beratung durch Sozialarbeiter:innen kann ein Antrag auf Übernahme der Mietrückstände gestellt werden. WOHNSCHIRM HOUSING FIRST läuft seit Oktober 2024. Kern ist die Vermittlung leistbarer Wohnungen, verbunden mit Begleitung durch Sozialarbeiter:innen.
Fachlich vernetzt sind die Einrichtungen in der BAWO, der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Der Dachverband wurde 1991 gegründet, um die Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in Österreich zu vernetzen. Er richtet jährlich eine Fachtagung aus (BAWO (externer Link)). In Wien beschreibt der Fonds Soziales Wien das Angebot der Wiener Wohnungslosenhilfe als flächendeckend und differenziert. Hinweise zu Behörden und Trägern bietet die Seite Sozialbereich Wien.
Welche Einrichtungen gibt es?
Die Wohnungslosenhilfe reicht von der Nacht im Notquartier bis zur eigenen Wohnung. Die folgenden Angebote nennen die BAWO in ihren Begriffsdefinitionen, der Fonds Soziales Wien und das Sozialministerium:
- Notschlafstellen und Wärmestuben: Übernachtung und Aufenthalt in niederschwelligen Einrichtungen (BAWO (externer Link)).
- Tageszentren: Aufenthalt in einem geschützten Raum am Tag und Beratung zu weiteren Angeboten (Fonds Soziales Wien (externer Link)).
- Streetwork: Straßensozialarbeit, also Kontakt zu Menschen dort, wo sie im öffentlichen Raum leben.
- Übergangswohnen: Übergangswohnheime und befristete Übergangswohnungen (BAWO (externer Link)).
- Wohnen mit Betreuung: Wohnplätze, in denen Fachkräfte die Bewohner:innen begleiten (Fonds Soziales Wien (externer Link)).
- Housing First: Vermittlung einer leistbaren Wohnung mit sozialarbeiterischer Begleitung.
- Delogierungsprävention: Beratung, damit eine gefährdete Wohnung erhalten bleibt, etwa über WOHNSCHIRM MIETE.
In Wien fasst der Fonds Soziales Wien die Angebote in die Bereiche Tageszentren und Straßensozialarbeit, Akutunterbringung, Wohnen mit Betreuung und Gesundheitsförderung. Im Winter kommt das Winterpaket mit Notquartieren und Wärmestuben dazu. Die Anlaufstelle P7 erfasst dabei alle Nachtquartiersplätze und koordiniert ihre Vergabe (Fonds Soziales Wien: Wohnungslosigkeit (externer Link)).
Wer arbeitet in der Wohnungslosenhilfe?
Laut AMS-Berufslexikon (externer Link) betreuen und beraten Sozialarbeiter:innen obdachlose Menschen, etwa bei der Wohnungsfindung. In der mobilen Sozialarbeit unterstützen sie Menschen, die ihre Nächte in Parks, auf der Straße oder auf Bahnhöfen verbringen. Auch die Beratung in WOHNSCHIRM und in der Wiener Anlaufstelle P7 leisten Sozialarbeiter:innen. Wie die Teams in Wohnhäusern und Tageszentren zusammengesetzt sind, hängt vom jeweiligen Träger ab.
Laut AMS beraten Sozialarbeiter:innen in der mobilen Sozialarbeit auch Drogen- und Alkoholabhängige. Grundkenntnisse aus der Suchthilfe sind daher hilfreich.
Wie sieht der Arbeitsalltag aus?
Der Alltag in der Wohnungslosenhilfe ist vielfältig und schwer planbar. In einem Tageszentrum führen Sie kurze Beratungsgespräche, klären Ansprüche auf Sozialleistungen und vermitteln Schlafplätze. Im Streetwork suchen Sie Menschen an ihren Aufenthaltsorten auf und bauen langsam Vertrauen auf. In Wien können Passant:innen von November bis April über das Kältetelefon oder die KälteApp obdachlose Menschen melden. Mitarbeiter:innen der Straßensozialarbeit nehmen dann Kontakt auf (Fonds Soziales Wien (externer Link)). In Übergangswohnhäusern begleiten Sie Bewohner:innen über längere Zeit bei Schulden, Gesundheit und Wohnungssuche.
Notquartiere sind vor allem nachts geöffnet und brauchen dann Personal. Laut AMS sind in manchen Sozialberufen unregelmäßige Arbeitszeiten üblich. Die Bezahlung richtet sich nach dem Kollektivvertrag, den Ihr Dienstgeber anwendet. Einen Vergleich bietet die Seite Gehalt nach Beruf.
Welche Belastungen gibt es?
Armut, Krankheit, Sucht und Gewalt begegnen Ihnen in der Wohnungslosenhilfe täglich. Rückschläge sind häufig und Erfolge oft klein. Wichtig sind daher klare Abgrenzung, Teamarbeit und Supervision, also die begleitete Reflexion der eigenen Arbeit. Der SWÖ-Kollektivvertrag gibt Beschäftigten in sozialen Arbeitsbereichen in § 35 einen Anspruch auf Supervision (SWÖ-KV 2026 (externer Link)).
Wie gelingt der Einstieg?
Für Studierende der Sozialen Arbeit ist ein Praktikum in einem Tageszentrum oder beim Streetwork ein guter Einblick. Wer ohne einschlägige Ausbildung umsteigen will, findet Wege dazu auf der Seite Quereinstieg in den Sozialbereich. Eine eigene Stellenkategorie für die Wohnungslosenhilfe gibt es auf sozpaed.net nicht; Sie finden entsprechende Angebote unter allen Stellen im Sozialbereich (externer Link).
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen obdachlos und wohnungslos?
Obdachlos sind laut BAWO Menschen, die auf der Straße oder in Notunterkünften wie Notschlafstellen übernachten. Wohnungslos sind Menschen ohne eigene Wohnung, die etwa in Übergangswohnheimen oder in Wohngemeinschaften ohne eigenen Mietvertrag leben.
Was bedeutet Housing First?
Housing First geht davon aus, dass eine wohnungslose Person vor allem eine Wohnung braucht. Im Bundesprogramm WOHNSCHIRM HOUSING FIRST werden leistbare Wohnungen vermittelt und die Menschen von Sozialarbeiter:innen begleitet.
Gibt es im Winter zusätzliche Angebote für obdachlose Menschen?
Ja. In Wien gibt es das Winterpaket des Fonds Soziales Wien mit Notquartieren und Wärmestuben. Von November bis April sind außerdem ein Kältetelefon und eine KälteApp in Betrieb.
Quellen
- statistik.at/fileadmin/publications/Wohnen_2025_bf.pdf (externer Link) – abgerufen am
- sozialministerium.gv.at/Themen/Soziales/Soziale-Themen/wohnungssicherung.html (externer Link) – abgerufen am
- bawo.at (externer Link) – abgerufen am
- fsw.at/p/wohnungslosigkeit (externer Link) – abgerufen am
- berufslexikon.at/berufe/2273-SozialarbeiterIn (externer Link) – abgerufen am
- vida.at/content/dam/vida/downloads/kv-verträge/soziale-dienste/2026/KV-SWOE-sozialwirtschaft-oesterreich_2026.pdf (externer Link) – abgerufen am
Arbeitsfeld gefunden? Dann zur Stelle.
Aktuelle Angebote von Trägern aus ganz Österreich auf sozpaed.net, der Jobbörse für den Sozialbereich.