Lesezeit ca. 6 Minuten · Stand: 04. Juli 2026
Quereinstieg in soziale Berufe: So gelingt der Wechsel
Vom Büro in die Wohngemeinschaft: Der Sozialbereich sucht händeringend Menschen — und bietet Quereinsteiger:innen so viele geförderte, berufsbegleitende Wege wie kaum eine andere Branche.
Viele Menschen merken nach Jahren im ursprünglichen Beruf: Es fehlt der Sinn. Der Sozialbereich ist für diesen Wechsel so offen wie kaum eine andere Branche — nicht aus Nettigkeit, sondern aus Notwendigkeit: Der Fachkräftemangel ist groß, und Lebenserfahrung aus anderen Berufen gilt in der Arbeit mit Menschen ausdrücklich als Stärke.
Warum der Quereinstieg gerade jetzt gut funktioniert
Träger besetzen viele Assistenz- und Betreuungsstellen bewusst mit motivierten Quereinsteiger:innen und finanzieren die facheinschlägige Ausbildung berufsbegleitend mit. Wer Engagement zeigt, kann so vom ersten Monat an im Feld arbeiten und verdienen — und parallel den Abschluss machen, der später die höhere Verwendungsgruppe bringt.
Diese Jobs gehen (fast) ohne einschlägiges Diplom
- Persönliche Assistenz für Menschen mit Behinderung — Einstieg meist ohne formale Ausbildung, Einschulung durch Assistenznehmer:in und Servicestelle
- Assistenz- und Betreuungskräfte in Einrichtungen der Behindertenhilfe (SWÖ-KV VG 5–6)
- Betreuer:in in der Flüchtlings- und Wohnungslosenhilfe — hier zählen Sprachkenntnisse und Alltagskompetenz besonders
- Freizeit- und Nachmittagsbetreuung an Schulen und Horten (teils mit Kurzausbildung Freizeitpädagogik)
- Nacht- und Wochenenddienste in Wohngemeinschaften als Zweitjob — ein klassischer Testlauf für den Vollumstieg
Berufsbegleitende Ausbildungswege
- Kolleg für Sozialpädagogik (berufsbegleitend, meist 6 Semester): der Weg zur Diplom-Sozialpädagogik und Verwendungsgruppe 8
- Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB, berufsbegleitend): Fach- oder Diplomniveau für Behindertenarbeit/-begleitung und Altenarbeit
- FH Soziale Arbeit berufsbegleitend: Bachelor neben dem Job, Voraussetzung für behördliche Sozialarbeit
- Kurzqualifikationen als Zwischenschritt: Freizeitpädagogik, Unterstützung bei der Basisversorgung (UBV), Erste Hilfe und Deeskalationstrainings
Förderungen: Wer zahlt die Ausbildung?
Für Umsteiger:innen gibt es in Österreich mehrere Finanzierungswege. Das Fachkräftestipendium des AMS fördert die Ausbildung in Mangelberufen — Sozialbetreuungsberufe stehen regelmäßig auf der Liste — mit einem monatlichen Bezug während der Ausbildung. Dazu kommen Bildungsförderungen der Bundesländer und der Arbeiterkammer sowie Träger, die Ausbildungskosten gegen Bindungsvereinbarung übernehmen. Die Förderlandschaft ändert sich laufend — vor dem Kündigen unbedingt aktuell beim AMS und der Arbeiterkammer beraten lassen.
Schritt-für-Schritt-Plan für den Umstieg
- 1. Reinschnuppern: Ehrenamt, Schnuppertage oder ein Nebenjob im Zielfeld — klärt schnell, ob Zielgruppe und Alltag passen.
- 2. Beraten lassen: AMS/Arbeiterkammer zu Förderungen, Träger zu berufsbegleitenden Modellen mit Anstellung.
- 3. Einstiegsjob annehmen: Assistenz- oder Betreuungsstelle bei einem Träger, der die Ausbildung unterstützt.
- 4. Ausbildung berufsbegleitend starten: SOB, Kolleg oder FH — je nach Ziel-Berufsfeld.
- 5. Nach dem Abschluss umstufen lassen: Diplom vorlegen, höhere Verwendungsgruppe und Anrechnung der Vordienstzeiten verhandeln.
Aktuelle Jobs im Sozialbereich
Vom Wissen zur Stelle: Auf sozpaed.eu findest du täglich aktualisierte Jobs in ganz Österreich.
Häufige Fragen
Kann ich ohne Ausbildung im Sozialbereich arbeiten?
Ja, in Assistenz- und Betreuungsfunktionen — etwa in der Persönlichen Assistenz, als Betreuungskraft in der Behindertenhilfe oder in Nachtdiensten von Wohngemeinschaften. Für Fachstellen (Sozialpädagogik, Sozialarbeit, Diplom-Sozialbetreuung) ist eine Ausbildung nötig, die aber berufsbegleitend nachgeholt werden kann.
Wie lange dauert der Quereinstieg bis zur Fachkraft?
Mit berufsbegleitender Ausbildung typischerweise zwei bis drei Jahre: SOB-Fachniveau ab zwei Jahren, Kolleg für Sozialpädagogik berufsbegleitend etwa drei Jahre. In dieser Zeit arbeitest und verdienst du bereits im Feld.
Was ist das Fachkräftestipendium und wer bekommt es?
Das Fachkräftestipendium des AMS finanziert Ausbildungen in definierten Mangelberufen — darunter regelmäßig Sozialbetreuungsberufe — mit einem monatlichen Bezug, damit man sich die Ausbildung leisten kann. Voraussetzungen und Berufsliste ändern sich; aktuelle Auskunft gibt die AMS-Beratung.
Bin ich mit 40 oder 50 zu alt für den Umstieg?
Nein — im Gegenteil: Lebenserfahrung, Gelassenheit und Krisenfestigkeit sind in der Arbeit mit Menschen ausdrücklich gefragt. Viele Träger schätzen gemischte Teams, und in den berufsbegleitenden Ausbildungen sind Umsteiger:innen jenseits der 40 längst die Normalität.